CEO Jakob Mosser und COO Christian Kolarik im Gespräch mit MilchNews auf der Interpack 2017© Schur Flexibles Group

Mit Produktinnovationen und neuen Tochterunternehmen gut aufgestellt für die Zukunft

 

Kürzere Lieferzeiten, kleinere Losgrößen, mehr Nachhaltigkeit – das sind die Anforderungen, auf die sich Unternehmen aus der Verpackungsbranche zunehmend einstellen müssen. Jakob Mosser, CEO Schur Flexibles, und Christian Kolarik, COO Schur Flexibles, berichten im Gespräch mit MilchNews, wie die Schur Flexibles Group darauf reagiert hat, welche Innovationen die Unternehmensgruppe auf der interpack 2017 präsentierte und wie sie sich für die Zukunft rüstet.

MN: Die Schur Flexibles Group ist eine noch junge Unternehmensgruppe, die Sie innerhalb der letzten fünf Jahre aufgebaut haben. Welches Konzept steht dahinter?

Mosser: In den ersten fünf Jahren bestand unsere Arbeit darin, Firmen im Bereich Flexible Packaging zu identifizieren und zu erwerben, die hoch spezialisiert sind, jeweils auf ihrem Gebiet Technologieführerstatus genießen und im Verbund strategisch einen Sinn ergeben. Dieses Center of Excellence-Konzept hat uns in kürzester Zeit zu einem attraktiven und kompetenten Partner im Bereich der flexiblen Verpackung gemacht. Nun war es an der Zeit, noch markt- und kundenorientierter zu arbeiten und aus den Einzelunternehmen eine starke Gruppe zu formen.

Kolarik: Durch unsere neue CI tragen wir dies nun auch optisch nach außen. Auf der interpack haben wir uns mit neuem Logo und einem einheitlichen, klaren und modernen Design gezeigt.

Mosser: Unser aktueller Claim „The Flexible Packaging Pioneers“ unterstreicht unser Ziel, in den jeweiligen Segmenten an vorderster Front mitzuspielen: Wir wollen unseren Kunden Lösungen bieten, mit denen sie dem Markt voraus sind. Das Stichwort „Pioniergeist“ trifft es auf den Punkt: Zu unseren Hauptansprüchen zählt, Kundenwünsche und -bedürfnisse zu antizipieren. Wenn dann die Zeit reif für neue Lösungen ist, wollen wir diese bereits parat halten.

MN: Dafür haben Sie erheblich in Forschung und Entwicklung investiert ...

Kolarik: So ist es: An unserem deutschen Standort im Allgäu wurde kürzlich unser neues PackScience Center eröffnet. In einer 600 qm-Halle setzen wir nicht nur eigene Anlagen, sondern auch die unserer Kunden für Forschung und Entwicklung ein. Darüber hinaus stehen mehrere Konferenzräume mit unterschiedlichen Präsentationstechnologien zur Verfügung. Wir können an diesem perfekt ausgestatteten Ort umfangreiche Tests mit den Produkten unserer Kunden vornehmen und Seminare – von Einführungsschulungen bis hin zu ganz speziellen Themen – durchführen. Das neue PackScience Center versetzt uns in die Lage, Entwicklungen noch besser voranzutreiben und schneller zur Marktreife zu gelangen. Unsere Kunden haben das bereits erkannt: Die Nachfrage war von Anfang an sehr hoch.

MN: Auch die Firmengruppe wurde weiter ausgebaut. Was versprechen Sie sich vom Erwerb des niederländischen Unternehmens Zwart?

Mosser: Der Zukauf des Spezialisten Zwart war unsere Reaktion auf ein stark verändertes Kundenverhalten, das wir in den letzten Jahren beobachten: In unserer Industrie haben sich die Lieferzeiten dramatisch verkürzt – in manchen Marktsegmenten von 10 Wochen auf nur etwa 2 bis 3 Wochen. Gleichzeitig sinken die Auftragsgrößen erheblich, von etwa 30.000 Laufmetern auf durchschnittlich unter 10.000 Laufmeter. Wir führen das z. B. darauf zurück, dass unsere Kunden offenbar viel häufiger Designwechsel vornehmen müssen, um permanent Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Unsere Antwort auf diese Anforderungen im Tief-, Flexo- und Offset-Druck-Bereich liefert Zwart. Das Unternehmen hat sich auf eben dieses Feld spezialisiert: Innerhalb kürzester Lieferzeiten lassen sich hier mit Technologien, die exakt auf diese Bedürfnisse eingestellt sind, kleine Losgrößen realisieren. Gleichzeitig haben wir mit dem Erwerb die strategische Entwicklung der Gruppe weiter vorangetrieben: Das Unternehmen mit seinen zwei Betriebsstätten im niederländischen Amersfoort und russischen St. Petersburg ist im Food-Bereich ein professioneller globaler Gesamtanbieter Anbieter für Tee- und Kaffeekunden. Dadurch verfügen wir in diesem Segment nun über ein noch umfangreicheres Portfolio.

Um Synergien zu erzeugen, werden wir zukünftig bei Zwart die passenden Aufträge bündeln – auch, um an anderen, nicht optimal auf kleinere Produktionsumfänge ausgerichteten Produktionsstätten die Kapazitäten für andere Aktivitäten freizumachen.

Der Schur Flexibles Messestand im neuem CI –Verpackungsthemen wie Reclose, Shrink und Skin standen ganz im Fokus © Schur Flexibles Group

 

MN: Auf der interpack 2017 waren Sie mit einem breiten Spektrum an innovativen Flexible Packaging-Lösungen vertreten. Worin besteht für die Schur Flexibles Group der Wert dieser Messe?

Mosser: Wir beobachten, dass die Welt auf dem Verpackungsmarkt immer weiter zusammenwächst. Aktuell zeichnet sich beispielsweise eine Entwicklung auf dem US-amerikanischen Markt ab, sich sehr stark an europäischen Verpackungstrends zu orientieren. Statt der gewohnten, typisch amerikanischen Riesenverpackungen sind nun auch dort zunehmend Verpackungen für kleinere Haushaltsgrößen, z. B. für Single-Portionen, gefragt, die sich durch einen höheren Convenience-Grad und mehr Funktionalität auszeichnen. Früher haben wir in Europa gern US-amerikanische Trends aufgegriffen, mittlerweile hat sich dies umgekehrt: Die Welt schaut darauf, was sich auf dem europäischen Markt tut. Die interpack ist die Messe mit dem höchsten Anteil internationaler Kunden, ein Forum für globale Verpackungsideen – und damit für die Schur Flexibles Group eine enorm wichtige Veranstaltung.

 

Innovation aus US: PrimaPak® kombiniert die Stabilität von Rigid Packaging-Lösungen mit den logistischen Vorteilen von Flowpacks mit praktischem Wiederverschluss© Schur Flexibles Group

Mit welchen Highlights haben Sie sich in Düsseldorf präsentiert?

 

Mosser: Wir waren mit einem breiten Produktspektrum vertreten. Zu unseren Messeschwerpunkten zählten unter anderem haptische Lösungen wie Papertouch, also Kunststofffolien, die sich durch eine besondere Beschichtung wie Papier anfühlen. Auch im Segment der Skinfolien haben wir neue Lösungen präsentiert, z. B. APET-Mono-Skin-Oberfolien, die im Reverse-Print-Verfahren mit bis zu zehn Farben bedruckt werden können und für besondere Lebensmittelsicherheit stehen. Eine echte Alleinstellung nehmen wir im Hologrammdruck ein: Hier sind wir der einzige Anbieter, der Folien mit dreidimensionalen Hologrammstrukturen ohne den Einsatz von Druckfarben realisieren kann. Auf dieses patentierte Verfahren, welches die holografischen Effekte mithilfe von Lichtbrechung erzeugt, hat sich unser dänisches Unternehmen Danapak Flexibles spezialisiert.

Kolarik: Wir haben außerdem in Kooperation mit dem amerikanischen Hersteller Clear Lam, der das Patent hält, PrimaPak auf der interpack vorgestellt – eine echte Innovation, die wir in Europa vertreiben werden. Das Besondere daran: Bei PrimaPak handelt es sich um ein Verfahren mit bisher unerreichter Funktionalität. Es kombiniert die Stabilität von Rigid Packaging-Lösungen mit den logistischen Vorteilen von Flowpacks. Damit lassen sich besonders standfeste Verpackungen – teilweise in Kombination mit Hartfolien – in allen möglichen Größen und Formen sowie ganz vielfältigen Oberflächen realisieren. Die Verpackungen überzeugen durch ein breites Spektrum an Wiederverschlussmöglichkeiten und können mit vielfältigen Barriereeigenschaften ausgestattet werden. Dazu ist das Material ausgezeichnet bedruckbar, was der Kreativität in der Gestaltung kaum Grenzen setzt, z. B. durch Fenster auf der Front der Verpackung oder den ebenfalls bedruckbaren Seitenteilen. Gleichzeitig überzeugt PrimaPak durch eine Reihe logistischer Vorteile. Das fängt beim Material an, das auf einer flexiblen Rolle angeliefert wird. Die fertigen Verpackungen sind gut stapelbar und sorgen insgesamt für eine optimale Regalausnutzung. Durch ihre besondere Standfestigkeit lassen sie sich besonders aufmerksamkeitsstark aufrechtstehend präsentieren. PrimaPak eignet sich für ein breites Produktspektrum – von Cerealien über Single Serve-Konzepte, Frozen Food, Süßwaren, Snacks und vieles mehr.

Mosser: Wir sind überzeugt davon, dass PrimaPak das Potenzial hat, herkömmliche Rigid-Lösungen, z. B. Kartons, abzulösen. Auch zum Standbeutel bietet das Verfahren eine echte Alternative, denn diese neigen dazu, bei zunehmender Größe und granularem Inhalt leicht abzuknicken, was Logistik und Präsentation erschwert. Mit PrimaPak kann man diese Probleme umgehen. Die Umsetzung des Verfahrens ist in der Regel auf vorhandenen Maschinen möglich: Anlagen neuerer Bauart lassen sich nachträglich modifizieren.

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Hochtransparente FlexiClose-Folien siegeln zuverlässig gegen PE- oder Mono-APET und lassen sich bis zu zehn Mal wiederverschließen© Schur Flexibles Group

MN: Ein wichtiges Thema, das ebenfalls die Branche beherrscht, ist die Forderung nach besserer Recyclingfähigkeit bzw. mehr Nachhaltigkeit in der Herstellung von Verpackungen. Wie positioniert sich Schur Flexibles hier?

Kolarik: Zu den ressourcenschonenden Lösungen, die wir entwickelt haben, zählt unter anderem unsere FlexiClose-Range – ein Programm an wiederverschließbaren Verpackungsfolien, die gegen PE- oder Mono-APET-Materialien siegeln. Standardprodukte in diesem Segment weisen eine Stärke von 60 bis 65 µm auf. Uns ist es gelungen, die Folienstärke auf 35 µm zu reduzieren Barriereeigenschaften, Siegelfähigkeit, sehr gute Flachlage und Reißfestigkeit bleiben trotz erheblicher Materialeinsparungen ohne Einbußen erhalten.

Mosser: Wir sind der Ansicht, dass es die Pflicht von Verpackungsanbietern ist, sich bereits bei der Herstellung von Verpackungen darauf zu konzentrieren, die Wertstoffeinbringung zu reduzieren. Derzeit wird innerhalb der EU diskutiert, Vorgaben und Verordnungen rund um Recyclingfähigkeit & Co. weiter zu verschärfen. Ganz gleich, was da in Zukunft kommen mag: Mit flexiblen Verpackungen können wir unseren Kunden extrem moderne und zukunftssichere Lösungen bieten. Denn unsere Produkte zeichnen sich durch ein unschlagbar geringes Gewicht aus und verfügen damit über einen echten Vorteil gegenüber allen anderen Verpackungsarten. Innovative Ideen für ein verbessertes Recycling von Verpackungsmaterialien zu entwickeln, ist jedoch nur die eine Seite. Noch viel wichtiger ist es, Verpackungen zu entwickeln, die den Produktschutz weiter verbessern und damit massiv dem Verderb entgegenwirken, um die Verschwendung von Lebensmitteln zu vermeiden – darin sehe ich im Hinblick auf die Nachhaltigkeit die Hauptaufgabe unserer Branche.

MN: Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Schrumpfbeutel oder -folien in besonders durchstoßfester Ausführung schützen zuverlässig spitze oder scharfkantige Produkte wie z. B. Hartkäse© Schur Flexibles Group