In Melle sprachen wir mit dem Geschäftsführer der TTG Tönsing Technologien GmbH Wilhelm Tönsing über aktuelle Entwicklungen und Tendenzen bei der Verwendung von Big Bags in der Lebensmittelindustrie.

Wilhelm Tönsing, Geschäftsführer der TTG Tönsing Technologien GmbH © TTG

Milch News: Hallo Herr Tönsing, unser letztes Gespräch ist ja nun schon wieder einige Jahre her. Was gibt es denn Neues bei der TTG? Sind sie immer noch konkurrenzlos am Markt?
Tönsing: Was die Leistung, die wir unseren Kunden bieten anbelangt, sind wir sicher konkurrenzlos. Wobei man sagen muss, dass es immer Wäschereien und Betriebe aus verwandten Branchen gegeben hat und auch noch gibt, die sich mit der Reinigung von Big Bags beschäftigen. Einzigartig am Markt macht uns die Tatsache, dass wir uns ausschließlich mit diesem Thema beschäftigen und das mit allen Konsequenzen. Das beginnt bei der Infrastruktur wie Gebäude und Maschinen, geht über die speziellen Verfahren, langjährig beschäftigte Mitarbeiter, die bestens mit der Materie vertraut sind, bis hin zu Systemen, um die Sicherheit der bei uns behandelten Produkte zu gewährleisten.

MN: Das hört sich sehr komplex an und klingt nach „Hightech“.
Tönsing: Nein, mit „Hightech“ hat das nichts zu tun. Es ist vielmehr der Grad der Spezialisierung, der dazu führte, dass der Betrieb nicht aussieht wie eine übliche Wäscherei. Unsere Maschinen wurden den Anforderungen an das Waschen von Big Bags entsprechend verändert oder angepasst.

MN: Wenn die Technik so wichtig ist, wie entscheidend sind dann die Verfahren?
Tönsing: Die Verfahren sind elementar wichtig. Es geht ja nicht nur darum, dass der Big Bag sauber werden muss, er muss diese Prozedur auch schadlos überstehen, darf nicht einlaufen. Der Prozess, der dies gewährleistet ist aufwändig und muss ständig optimiert werden, damit er wirtschaftlich ist und unser Unternehmen auch einen Gewinn erzielt.

MN: Das wollen ja wohl alle Unternehmen…
Tönsing: Ja, ich erwähne diesen Aspekt nur, weil der zu Beginn unserer Tätigkeit das einzige Problem darstellte. Wir konnten den Bag waschen, sodass er sauber, desinfiziert und frei von Rückständen unserer Behandlung war. Auch nahm er keinen Schaden während der Behandlung, noch lief er ein. Alles war gut, nur wir konnten den Prozess nicht bezahlen. Es hat dann Monate gedauert, bis wir die Verfahren soweit optimiert hatten, dass sie rentabel waren.

MN: Und die Sicherheit leidet nicht unter Ihren Optimierungen?
Tönsing: Nein, dass darf ja nicht passieren. Sämtliche Anpassungen finden über technische Änderungen oder Modifizierungen im Verfahren statt. Diese Entwicklung wird ständig kontrolliert und Ergebnisse erst freigegeben, wenn sie von der Geschäftsleitung genehmigt sind.

MN: Das klingt gleich wieder nach QM-Systemen…
Tönsing: Selbstverständlich ist in unserem Unternehmen ein QM-System nach EN ISO 9001:2015 installiert. Des weiteren haben wir noch ein Risikomanagement nach dem HACCP. Regelmäßige Hygienekontrollen und ein Hygiene-Testat runden das Bestreben nach Sicherheit ab. Es gibt auch Testate, die belegen, dass keine Rückstände unserer Behandlung im Big Bag verbleiben, Testate, die den Erhalt der mechanischen Eigenschaften der Bags bescheinigen, und wir haben sogar eine HALAL-Zertifizierung.

Der Big Bag ist ein klassisches Einwegprodukt © TTG

MN: Das ist in der Lebensmittelindustrie bereits weit verbreitet…
Tönsing: Ja, da wir ausschließlich für die Lebensmittelindustrie arbeiten war das für uns unerlässlich.

MN: Ein Paukenschlag war die Mitteilung des Umweltschutzministeriums der Volksrepublik China adressiert an die Welthandelsorganisation (WTO) und datiert auf den 18. Juli 2017. Darin teilte China der Welt mit, dass es nach einer dreimonatigen Übergangszeit vom 1. Januar 2018 an die Einfuhr von 24 Abfallsorten verbieten werde, darunter Plastikabfälle, Plastikschnipsel, unsortierte Folien, PET Flaschen und und und.
Tönsing: Das Statement aus China hat die Abfallbranche weltweit aufgerüttelt. In kein anderes Land ist in letzten Jahren so viel Plastikabfall exportiert worden. Ein Großteil davon war Gewerbeabfall aus Europa. Seit geraumer Zeit gilt Abfall bereits nicht mehr als Müll, sondern als Handelsgut wie jedes andere. Abfälle bilden einen Gegenpart zur schönen, bunten Warenwelt und werden ebenfalls weltweit gehandelt. Ein ganzer Industriezweig befasst sich in Deutschland mit dieser Thematik. Das Geschäft mit der Volksrepublik China funktionierte so lange hervorragend, wie beide Seiten davon profitierten. Da China selbst kein Öl in ausreichenden Menge hat, kaufte das Land gebrauchtes Plastik auf dem Weltmarkt in mehr oder weniger sauberem Zustand ein und verarbeitete es in eigenen Fabriken zu Sekundärrohstoffen. Mit der Zeit wurde die Qualität der nach Fernost gelieferten Abfälle immer schlechter. Die Stoffe waren unsauber getrennt und von Störstoffen verunreinigt. Als Antwort darauf wurden die Kontrollen in den chinesischen Importhäfen immer schärfer. Im Endeffekt kam es dazu, dass seit Beginn dieses Jahres Chinas Grenzen für minderwertige Plastikabfälle geschlossen sind.

Die TTG Tönsing Technologien GmbH gibt es bereits seit 1992. In diesem Zeitraum wurden in dem Unternehmen mehr als 3 Millionen Big Bags gewaschen © TTG

MN: Es stellt sich nun die Frage, wohin jetzt mit den nicht abgenommenen Plastikabfällen? Große Abfallmengen müssen nun zeitnah in Europa recycelt werden. Es gilt die Trennung zu optimieren. Könnte das Waschen von Big Bags doch nochmal interessanter werden?
Tönsing:
Der Big Bag ist ein klassisches Einwegprodukt. Die Mehrfachnutzung ist in der Lebensmittelindustrie meist aus Gründen der Hygiene schwierig. Durch unsere Dienstleistung wird der Bag zum Mehrwegprodukt und steht für mehr Nachhaltigkeit. Dadurch wird das Müllvolumen der Firmen verringert. Wenn nun die Entsorgungskosten steigen, weil China den Müll nicht mehr in den Mengen abnehmen will, wird unser Mehrweg-System umso interessanter.

MN: Wenn China den Müll nicht mehr abnimmt, werden die chinesischen Big Bag-Hersteller weniger Recyclat und mehr Premium-Rohstoff einsetzen…
Tönsing: Ja, genau, dadurch müssten die Bags aus China ebenfalls teurer werden, was unsere Dienstleistung weiter beflügeln müsste.

MN: Dann wollen wir hoffen, dass die TTG weiterhin erfolgreich ist und danken Ihnen für das interessante Gespräch.