Käse bis unter’s Dach: Reiferäume können effektiv bestückt werden, denn das kanallose HACIS wird platzsparend an der Decke installiert. Dank der sensiblen Luftverteilung erfolgt eine konstante, zugfreie Klimatisierung bis in den letzten WinkelPGH

Präzisionsklima in Produktions- und Reiferäumen – ganz ohne Kanäle

Vor über zehn Jahren erlebte Manfred Wolf diesen magischen Moment, den der französische Schriftsteller Victor Hugo einst so beschrieb: „Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“

Der Geschäftsführer der Ingenieurgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung PGH aus Bayreuth nahm gerade einen Ortstermin bei einem milchverarbeitenden Unternehmen wahr, als der Werksleiter ihn fragte: „Geht das auch ohne Kanäle?“ Er meinte das traditionelle Klimatisieren von Produktions- und Reiferäumen. Denn die zunehmend strengeren Hygienestandards, wie z.B. IFS Food verlangen eine regelmäßige Reinigung von Textilschlauch- und Kanalsystemen, die kompliziert und langwierig ist. Vor allem muss in dieser Zeit immer die Produktion ruhen.

Kanallos, zugfrei, wartungsarm
Der Ingenieur forschte – und alsbald war die Idee geboren. Sie gipfelte im „Hygienic Air Conditioning Inductive-System“, kurz: HACIS. Diese kanallose, sich selbst reinigende Belüftung revolutioniert seitdem die Lüftungstechnik unter anderem in Produktions- und Reiferäumen.

Gemeinsam mit seinem Sohn Sebastian entwickelte Manfred Wolf sie innerhalb von drei Jahren. Das Grundprinzip: Induktionsdüse statt Kanal. Ihr Primär-Luftstrom zieht die umliegende Raumluft in ihren Bann, nimmt diesen Sekundär-Luftstrom mit und setzt so das Luftvolumen im gesamten Raum gleichmäßig und unmerklich in Bewegung. Gerade die in Reiferäumen gefürchteten „Toträume“ gehören damit der Vergangenheit an.

Je nach baulichen Gegebenheiten wird die Auslegung und Platzierung der HACIS-Geräte individuell geplantPGH

HACIS ist ein Baukastensystem. Die Basisausführung (nur für die Umluft) ist modular erweiterbar um vollautomatische Reinigungsdüsen oder UV-C-Entkeimung. Auch um Kühler, Erhitzer und Befeuchter. So kann die Anlage überall jeden lufttechnischen Zustand unter Einhaltung strenger Hygienestandards realisieren. Speziell für die Käsereifung gibt es HACIS in der Version XP. In kurzer Zeit installiert, ist sie nicht nur für Produktion und Reiferäume mittlerer und großer Betriebe geeignet. XPS, der jüngste Spross der Modellfamilie, wurde eigens für kleine Manufakturen entwickelt.

Im Zusammenhang mit Reiferäumen spricht Sebastian Wolf von extremen Klimafeldern. „Ob riesiger oder kleinster Reiferaum - wir benötigen je nach Käsesorte beispielsweise an allen Stellen konstant 12 Grad Celsius, 98% Luftfeuchtigkeit und eine gleichmäßige Luftbewegung. Um dies alles zu gewährleisten, werden selbst entwickelte und gebaute Messfühler verwendet.“

Hochschule Esslingen:
„HACIS ideal für Reiferäume“
Herzstück der Anlage ist eine kompakte High-Tech-Einheit an der Decke. Induktionsdüsen werden für jeden einzelnen Raum individuell geformt und ausgelegt. Steuerung und Sensoren regeln gleichmäßig die vier Parameter Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Stoffzusammensetzung und natürlich die Luftbewegung, zu der es auch schon kritische Anmerkungen von unwissender Seite gab. „Wer unser ausgeklügeltes, geschütztes System nicht kennt, kann da schon mal viel Wind um nichts machen“, sagt Manfred Wolf lächelnd. Wie perfekt es funktioniert, ermittelte stattdessen ein Team der Hochschule Esslingen in einer numerischen Strömungssimulation. Die Wissenschaftler folgerten, HACIS sei ideal für die Belüftung von Käse-Reiferäumen.

Siegfried Bärnthaler, Betriebsleiter der Obersteirischen Molkerei (Österreich), kann mit seiner Praxiserfahrung die Esslinger Studie nur bestätigen. Im neuen, 2014 in Betrieb genommenen vollautomatischen Reifezentrum in Spielberg, gibt es dank HACIS keine Kanalsysteme mehr. „Und die für Reifeprozess und Qualität entscheidende Luftverteilung ist immer gewährleistet. Wir mussten die Parameter zu Beginn nur einmal bestimmen und seither nie mehr nachjustieren!“

Die PGH-Ingenieure definieren sich als kreative und präzise Dienstleister. Sie richten die Klimatechnik für Käsereifung stets nach den baulichen Gegebenheiten und den individuellen Kundenanforderungen ein. Einsparungen von bis zu 30% bei Investitions- und Betriebskosten seien anschließend gegenüber anderen Systemen realisierbar, rechnen sie vor. Zu den weit mehr als 160 Betrieben, die das kanallose Klimasystem inzwischen voller Überzeugung nutzen, zählen auch die Milchwerke Oberfranken in Coburg. Direktor Ludwig Weiß: „Die Investition in HACIS XP war die beste Entscheidung. Denn wir konnten dank gleichmäßiger Luftverteilung und konstanter Luftfeuchte den Reifeprozess optimieren. Dabei stellten wir fest, dass der Käse auch besser hält und Gewichtsverluste vermieden werden.“

HACIS XPS – der jüngste Spross in der Systemfamilie. Aufgesetzt auf die intelligente Klimatechnik für Großbetriebe wurde ein Gerät speziell für kleine Hofkäsereien und Sennereien entwickeltPGH

„Das PGH-Team ist topfit“
Auch vielschichtige Ausgangsbedingungen stellen die Bayreuther Spezialisten nicht vor unlösbare Probleme. So verfügt die Käserei Eyweid in ihrem Neubau im Schweizer Kanton Bern gleich über sechs Reifekeller, jeder einzelne mit völlig unterschiedlichen Anforderungen an die Parameter. Denn seit Ende 2014 werden hier gleichzeitig Hart-, Halbhart- und Weichkäse produziert. Bei Reifezeiten von bis zu drei Jahren ist eine optimale Klimatisierung Voraussetzung. Mike Glauser, in siebter Generation mit der Käseherstellung beschäftigt, entschied sich für HACIS XP, „weil ich andere Kühlsysteme für anfälliger halte und sie mehr Wartung benötigen“. Am Tag der Inbetriebnahme beeindruckte ihn, dass die High-Tech-Anlagen in allen Kellern sofort auf den Punkt funktionierten. „Ich hatte mit längeren Einrichtungsphasen gerechnet.“ Sein knappes Resümee: „Das PGH-Team ist topfit!“

Wenn Manfred Wolf heute über seine revolutionäre Entwicklung spricht, fragt er sich,  warum es das kanallose Klimasystem nicht schon viel länger gibt, so naheliegend sei die Idee eigentlich. Doch offensichtlich war die Zeit einfach vorher noch nicht reif.