Christian Kolarik, COO/Mitglied der Geschäftsführung Schur Flexibles Group im GesprächSchur Flexibles Group

Die Schur Flexibles Group weitet Aktivitäten am Markt für flexible Verpackungslösungen aus

Die auf dem Reißbrett konzipierte Schur Flexibles-Unternehmensgruppe ist auf Hochbarriere-Verpackungslösungen für die Lebensmittel-, Tabak- und pharmazeutische Industrie spezialisiert. Mit ihrer integrierten Wertschöpfungskette von Extrusion über Druck und Kaschierung bis hin zur umfangreichen Beutelerzeugung hat sie seit ihrer Gründung im Jahr 2012 eine bemerkenswerte Entwicklung vollzogen. Nun will die Gruppe mit neuem Investor weiter durchstarten. Die Milchnews im Gespräch mit Christian Kolarik, COO Schur Flexibles Holding GesmbH, über das Erfolgskonzept, steigende Ansprüche bei Kunden und Konsumenten sowie einem Ausblick auf die Schur Flexibles Messe-Highlights auf der FachPack 2016.

MN: Herr Kolarik, die Anfänge der noch jungen Schur Flexibles-Unternehmensgruppe wurden in der Branche zunächst noch belächelt ...
Christian Kolarik: In der Tat. Die Schur Flexibles Group ist aus dem Gedanken entstanden, das Geschäft im Bereich der flexiblen Verpackung anders als herkömmlich zu betreiben. Die Führungskräfte unserer Gruppe verfügen alle über langjährige Erfahrung in der Branche und wissen genau, was anderen sehr gut gelingt – aber eben auch, was man besser machen könnte. Aus diesen Beobachtungen heraus hat unser heutiger CEO, Jakob A. Mosser, praktisch auf weißem Papier die Idee entwickelt, eine neue Unternehmensgruppe nach dem Center-of-Excellence-Konzept zu gründen: Einzelne Unternehmen, die jeweils hoch spezialisiert und technologisch führend auf ihrem Gebiet sind, bieten zusammen ein umfangreiches Portfolio an flexiblen Verpackungslösungen. Ein One-stop-shop-Approach, bei dem Kunden von Kompetenz, Effizienz und Innovation profitieren – aber wie gesagt: zunächst bestand nur die Idee.

Christian Kolarik, COO/Mitglied der Geschäftsführung Schur Flexibles Group vor der Waterquench-Anlage bei Schur Flexibles Vacufol. Weltweit einzigartig: Die Waterquench-Technologie auf Hochleistungsniveau verringert Ausschuss und ist in der Lage alle „Verpackungsspezialitäten“ zu produzierenSchur Flexibles Group

MN: Wer hat ermöglicht, diesen Plan zu realisieren?
Christian Kolarik: Der Finanzinvestor capiton AG, Berlin, stand als Geldgeber bereit und hat das Konzept voll unterstützt: capiton ermöglichte einerseits, passende Unternehmen zu kaufen und andererseits – im Gegensatz zu anderen Konzepten am Markt, bei denen bereits in der Buy-and-Build-Phase Geld zurückfließt – die erwirtschafteten Gewinne direkt wieder ins Unternehmen zu investieren. Unser heutiger Erfolg zeigt, dass das der richtige Weg war.

MN: Wie sieht die Schur Flexibles Group aktuell aus?
Christian Kolarik: Rund vier Jahre nach unserer Gründung haben wir knapp 1.300 Mitarbeiter an 12 Standorten in ganz Europa, darunter 11 Produktionsstätten. Die Unternehmen haben sich auf Extrusion, Druck, Kaschierung oder Beutelerzeugung spezialisiert und wurden gezielt für das Portfolio zusammengestellt. Die meisten davon standen übrigens nicht zum Verkauf, sondern wurden von uns direkt angesprochen. Teilweise sind da­runter Betriebe, die als nicht profitabel galten, die wir aber durch entsprechende Investitionen und Umstrukturierungen wieder auf Erfolgskurs gebracht haben. Im Jahr 2015 erwirtschaftete die Schur Flexibles Group bereits einen Gesamtumsatz von 370 Mio. Euro.

MN: Ist die Gruppe damit komplett?
Christian Kolarik: Nein, keineswegs. Wir haben uns jedoch selbst eine Pause verordnet, um die Organisationsstrukturen zu optimieren und erst einmal vorhandene Synergien zu nutzen. Wie man der Presse entnehmen konnte, sind die Mehrheitsanteile unserer Gruppe – vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden – im Juli an den Private-Equity-Fond Lindsay Goldberg Vogel GmbH, Düsseldorf, gegangen, der uns die Fortführung unseres Buy-and-Build-Konzepts ermöglichen wird. Natürlich haben wir weitere Pläne, die wir zu gegebener Zeit veröffentlichen werden. Soviel kann ich aber heute schon verraten: Demnächst werden wir ein Packaging Development Center im Allgäu eröffnen, in dem wir Testdurchläufe und Simulationen auf Verpackungsmaschinen sowie Produkttests unter kontrollierbaren und reproduzierbaren Bedingungen durchführen wollen.

MN: Forschung und Entwicklung nimmt demnach einen hohen Stellenwert bei der Schur Flexibles Group ein ...
Christian Kolarik: R&D ist ein ganz wichtiges Thema für uns. Meines Wissens nach sind wir der einzige Hersteller in Europa, der einen R&D-Verantwortlichen im Board of Directors sitzen hat. Für uns ist das kein Anhängsel einer anderen Funktion, sondern in unserer Organisation auf höchstem Niveau etabliert. Neben dem Aufbau unserer zentralen Forschung und Entwicklung mit eigenem Technikum für Projekte auf übergeordneter Basis werden wir jedoch außerdem die R&D-Ressourcen an den einzelnen Standorten weiter stärken, damit wir auch dort ganz nahe an unseren Kunden sind.

Christian Kolarik, COO/Mitglied der Geschäftsführung Schur Flexibles Group; Dr. Irene Pfundner, Group Marketing Manager; Tanja Huber, Marketing Coordinator Schur Flexibles Vacufol; Claudia Diedrichsen, Geschäftsführerin CBCSchur Flexibles Group

 

MN: Auf welchen Märkten sind Sie vertreten?
Christian Kolarik: In ganz Europa, wobei wir besonders in Osteuropa nach wie vor ein großes Wachstum verzeichnen. Darüber hinaus trägt Amerika – vor allem Südamerika mit seinen großen Fleischproduzenten – maßgeblich zu unseren Umsatzzahlen bei. Außerdem liefern wir unter anderem nach Australien, Neuseeland, Korea, aber auch in einige afrikanische Staaten und in den Mittleren Osten.

MN: Und welche Marktsegmente stehen bei Ihnen im Fokus?
Christian Kolarik: Das wichtigste Segment ist sicher Protein – von frischen bis verarbeitetem Fleisch über Fisch und Geflügel bis hin zu Milchprodukten. Hier generieren wir fast ein Drittel unseres Umsatzes und bieten unseren Kunden ein Sortiment, das seinesgleichen sucht: Auf dem Feld der Barriere-Technologien sind wir sowohl im EVOH- als auch im PVDC-Bereich sehr gut aufgestellt. Was die Schrumpf-Technologien angeht, haben wir die ganze Bandbreite, vom herkömmlichen Beutel über Tiefzieh- bis hin zu Skin-Anwendungen, im Programm. Im Bereich PA/PE besitzen wir mit der Schur Flexibles Vacufol ein Unternehmen, das über die einzige Anlage weltweit verfügt, die die Waterquench-Technologie auf Hochleistungsniveau anbietet. Mit dieser Technologie lassen sich entsprechend der Anwendung dünnere Materialien mit gleichzeitig besserer Performance produzieren, die hoch transparent sind und eine bessere Siegelintegrität aufweisen. Damit erreichen die Anlagen unserer Kunden eine höhere Effizienz, da der Ausschuss verringert wird. Die Waterquench-Anlage mit sehr hohem Ausstoß ist in der Lage, alle Spezialitäten zu produzieren – von klassischen Mediumbarriere bis hin zu Hochbarriere-Folien für Kochanwendungen, Pasteurisierungen oder Sterilisierungen.

Über die Schur Flexibles Group
Die Schur Flexibles Group mit Hauptsitz in Baden bei Wien und rund 1.300 Mitarbeitern hat sich auf innovative, hochwertige und maßgeschneiderte Hochbarriere-Verpackungslösungen für die Lebensmittel-, Tabak- und pharmazeutische Industrie spezialisiert. Mit ihrer integrierten Wertschöpfungskette von Extrusion über Druck und Kaschierung bis hin zur umfangreichen Beutelerzeugung erwirtschaftete die in 2012 gegründete Gruppe 2015 einen Gesamtumsatz von 370 Mio. Euro. Schur Flexibles umfasst 12 Unternehmen mit 11 Produktionsstätten: Deutschland, Finnland, Dänemark, Niederlande, Polen, Slowakei und Griechenland, die hoch spezialisiert sind und jeweils auf ihrem Gebiet Technologieführerstatus genießen. Dieses „Center of Excellence“-Konzept macht die Gruppe zu einem attraktiven und kompetenten Partner für Kundenunternehmen ausgewählter Branchen.

MN: Was die Barriereeigenschaften von Verpackungen angeht: Wie entwickelt sich der Markt in diesem Bereich?
Christian Kolarik: Wir beobachten zwei Trends auf dem Lebensmittelmarkt: Bei den Frischeprodukten reichen Verpackungen aus, die eine Haltbarkeit von wenigen Tagen gewährleisten – hier akzeptiert der Kunde auch keine längeren Fristen. In allen anderen Bereichen wird daran gearbeitet, die Haltbarkeit massiv zu erhöhen. Auch wir beschäftigen uns intensiv mit diesem Thema: Man kann mit einigen Maßnahmen die Barriereeigenschaften von Verpackungen stark beeinflussen. Wir sind mit unseren Unternehmen sehr gut aufgestellt, was die entsprechenden Technologien angeht. Das wissen unsere Kunden zu schätzen: Jeder Tag, den wir an Shelf-Life hinzugewinnen können, ist bares Geld für unsere Anwender.

MN: Und welche weiteren Eigenschaften müssen Verpackungen heutzutage aufweisen, um konkurrenzfähig zu sein?
Christian Kolarik: Für den Handel spielt neben der Haltbarkeit die Logistik eine wichtige Rolle: Hier sind Verpackungen gefragt, die sich gut in den Regalen positionieren und einfach nachfüllen lassen. Im Hinblick auf den Konsumenten, der immer anspruchsvoller wird, sind Eigenschaften wie Öffnungsqualität, also z. B. eine gute Peelfähigkeit der Oberfolie, von Bedeutung. Aber auch die Präsentation ist noch wichtiger geworden: Ein Hersteller muss sich mit seinen Verpackungen deutlich positionieren. Wer ein hochwertiges Produkt anbietet, muss dafür sorgen, dass es sofort als Premium wahrgenommen wird. Bisher spielte vor allem die Optik eine maßgebliche Rolle: ein ansprechendes Verpackungsdesign, hochwertige, mehrfarbige Drucke, glänzend oder matt, ein perfektes Druckbild auf unterschiedlichsten Materialien etc. Hier setzen wir auf die Experten unserer verschiedenen Werke in ganz Europa. Inzwischen ist die Haptik als weiteres Distinktionsmerkmal hinzugekommen: Viele Anwender wollen sich auch spürbar von anderen abheben. Verpackungen mit Papierhaptik, die zwar aus Kunststoff sind, aber wie Papier aussehen und sich ebenso anfühlen, finden aktuell großen Anklang. Aber auch SoftTouch-Lösungen, die sich durch einen besonders weichen, angenehmen Griff auszeichnen, liegen im Trend. Haptische Veredelung von Verpackungen ist übrigens eines unserer zentralen Themen auf der FachPack 2016, wo wir unsere Leistungsfähigkeit in diesem Bereich präsentieren werden.

MN: Welche Themen werden darüber hinaus bei Ihnen auf der FachPack im Mittelpunkt stehen?
Christian Kolarik: Ein ganz wichtiges Thema werden Skin-Lösungen sein, bei denen wir weiterhin ein starkes Wachstum erwarten – ein Bereich, dem wir unter anderem dank der langjährigen Erfahrung unserer Schur Flexibles Dixie hervorragend abdecken können, denn zur Produktion von Skin-Materialien gehört sehr viel Know-how. Ein echtes Messe-Highlight werden außerdem unsere Skinfolien für APET-Mono-Anwendungen sein, die noch in diesem Jahr verfügbar sein werden. Was die entsprechenden Technologien angeht: Wir haben vor zwei Jahren die entsprechenden Investitionen getätigt, unsere Kapazitäten massiv erhöht und uns eingehend mit der Reduktion der Materialstärke und mit neuen Materialien beschäftigt. Die Ergebnisse präsentieren wir auf der FachPack: Wir sind inzwischen beispielsweise in der Lage, ultradünne Verbundfolien anzubieten. Damit sind wir gleich bei einem weiteren Messeschwerpunkt: SuperThin heißt das Stichwort – also unterschiedliche, extrem dünne Laminate, die ebenfalls im Fokus unseres FachPack-Auftritts stehen. – Sie sehen: Unsere Besucher dürfen gespannt sein!